Streunerhunde



Klicken zum VergrößernFür viele Touristen gehören sie zum Spanienurlaub wie Sonne und Meer: Die zahlreichen Streunerhunde und –katzen, die sich in der Nähe von Hotels, Restaurants und Geschäften aufhalten, stellen gerade tierliebe Urlauber immer wieder vor viele Fragen.

1. Ist es richtig, die Tiere zu füttern?
Hier gibt es sicherlich kein eindeutiges Richtig oder Falsch: Einige Tierschützer lehnen das Füttern von Streunern grundsätzlich ab, weil so der Vermehrung der Tiere Tür und Tor geöffnet werde. Unserer Ansicht nach spricht nichts dagegen, die Tiere zu füttern, letztendlich aber müssen Sie selbst entscheiden. Wenn Sie sich dafür entscheiden, sollten Sie ein paar Dinge beachten. Zuallererst:
Hotel- und Restaurantbesitzer schätzen es naturgemäß nicht, wenn die Tiere auf Ihrem Grundstück gefüttert werden. Auch andere Urlauber reagieren aus Angst vor Krankheiten und Parasiten häufig mit Ablehnung. Suchen Sie sich also einen etwas abgelegenen Futterplatz.
Hunde sind Allesfresser und im Prinzip mit allem zufrieden, was auch wir Menschen zu uns nehmen. Bestimmte Lebensmittel sollten trotzdem nicht an Hunde verfüttert werden:

Katzen sind etwas wählerischer und bevorzugen Wurst, Fleisch und Fisch, wobei man sehr salzige Wurst meiden sollte. Bitte geben Sie Katzen keinesfalls Milch! Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, kann im Supermarkt Trocken- oder Dosenfutter besorgen.

2. Braucht das Tier meine Hilfe?
Erwachsene Streuner sind Überlebenskünstler: Sie kommen zum Betteln, freuen sich über Futter und ein bisschen Zuwendung und gehen dann wieder ihrer Wege. Lassen Sie sich vom verwahrlosten Zustand der Tiere nicht täuschen – verfilztes Fell, Parasiten oder Narben von alten Verletzungen sind keine Zeichen von Krankheit, sondern gehören zum normalen Erscheinungsbild eines Streuners. Ein gesunder Streuner benötigt keine direkte Hilfe. Bei offensichtlich kranken Tieren oder Welpen sieht die Sache anders aus:

Klicken zum VergrößernBeim Anblick von Hunde- oder Katzenbabys geht den meisten Menschen das Herz auf. Bitte reagieren Sie bei Welpen trotzdem umsichtig: Nehmen Sie niemals Welpen vom Muttertier weg, auch wenn die Kleinen schon relativ selbständig aussehen. Wenn Sie ausgesetzte Welpen finden, warten Sie bitte einige Stunden ab, ob sich die Mutter einfindet. Welpen, die zum Sterben ausgesetzt wurden, finden sich in der Regel in Kartons oder Tüten oder im Müll.
Wenden Sie sich in solchen Fällen bitte an OKAPI und versuchen Sie keinesfalls, die Babys selbst zu füttern: Ganz junge Welpen gehören in erfahrene Hände. Größere Welpen können zerdrücktes Dosenfutter oder eingeweichtes Trockenfutter fressen. Bitte geben Sie Welpen keine Milch! Auch wenn Sie ein krankes Tier finden, melden Sie sich bitte bei unserem Partnerverein OKAPI.

3. Wie kann ich einem Kettenhund helfen?
Der Anblick eines Hundes, der an einer viel zu kurzen Kette in brütender Hitze vor sich hin vegetiert, ist nicht nur für Tierfreunde schockierend. Lassen Sie sich bitte trotzdem nicht zu Kurzschluss-Reaktionen hinreissen.

Wenn Sie eine Situation vorfinden, die in Ihren Augen tierschutzrelevant ist, machen Sie möglichst ein Foto, merken Sie sich Ort und Zeitpunkt und bitten Sie weitere Augenzeugen um Bestätigung. Berichten Sie Ihre Beobachtung Ihrer Reiseleitung, der Hotelleitung, den örtlichen Tourismus-Büros und je nach Schwere können Sie auch die lokale Polizei aufsuchen. Wenn Sie über ein "You´re welcome" nicht hinauskommen, sollten Sie sich und Ihrem Gegenüber bewusst machen, dass viele Menschen auf der Insel von Ihrem Besuch leben. Machen Sie den Leuten z. B. unmissverständlich aber sachlich klar, dass Sie gerne bereit sind wiederzukommen, wenn sich die Situation für das Tier geändert, bzw. entscheidend verbessert hat.

Bitte kontaktieren Sie in einem solchen Fall OKAPI. OKAPI kann sich mit dem Besitzer des Hundes in Verbindung setzen und versuchen, ihn dazu zu bewegen, das Tier unter würdigeren Umständen zu halten. Mit Einverständnis des Besitzers kann sich OKAPI außerdem um den Hund kümmern und ihn regelmäßig mit Futter und Wasser versorgen.

4. Warum kann ich das Tier nicht einfach mit nach Hause nehmen?
Klicken zum VergrößernSie würden „Ihren“ Streuner am liebsten einfach einpacken und mitnehmen? Bei aller Tierliebe: Mit solchen Spontan-Entscheidungen ist niemandem geholfen, am allerwenigsten den Tieren. Versuchen Sie niemals, Tiere ohne gültigen Impfpass und ohne, dass sie einem Tierarzt vorgestellt wurden, mit nach Deutschland zu nehmen! Bei der Einreise gibt es Schwierigkeiten, wenn Gesundheitszeugnis oder Impfpass fehlen: Das Tier kann ins Herkunftsland zurückgeschickt oder - im schlimmsten Fall - sogar getötet werden. Folgende Bedingungen müssen auf jeden Fall erfüllt sein, bevor das Tier nach Deutschland eingeführt werden kann:

5. Ich bin mir über die Probleme im Klaren. Trotzdem will ich das Tier mit nach Deutschland nehmen.
Sie haben sich ganz und gar verliebt und sind fest entschlossen, den Hund oder die Katze mitzunehmen? Bevor Sie sich endgültig entscheiden, möchten wir Sie bitten, für sich die folgenden Fragen zu beantworten:

Bin ich bereit, die volle Verantwortung für das Tier zu übernehmen?
Bei einem Tier, das Sie auf eigene Faust nach Deutschland mitnehmen, können Sie bei Problemen nicht einfach den nächsten Tierschutzverein ansprechen.

Was passiert, wenn ich das Tier aus welchen Gründen auch immer nicht mehr halten kann oder will?
Deutsche Tierheime sind überfüllt und haben selten Plätze frei, schon gar nicht für schwer vermittelbare Tiere aus dem Ausland.

Wie reagiere ich, wenn das Verhalten des Tieres nicht meinen Erwartungen entspricht?
Wenn Sie sich nicht gerade für einen Welpen/ein Jungtier entschieden haben, sollten Sie davon ausgehen, dass das Tier die meiste Zeit seines Lebens auf sich allein gestellt war. Bei Hunden bedeutet das in der Regel unter anderem, dass das Tier nicht stubenrein ist. Für ältere Hunde ist Stubenreinheit schwer zu erlernen – unter Umständen kann es Monate dauern, bis sich Ihr Tier darauf eingestellt hat, sein Geschäft nicht mehr überall zu verrichten.
Tiere aus dem Süden sind im allgemeinen sehr sozial. Trotzdem kann die ausgeprägte Selbständigkeit eines Streuners auch dazu führen, dass sich Ihr Hund nicht ohne weiteres an Menschen anschließt und lange braucht, um eine intensive Bindung zu Ihnen aufzubauen. Bei Podencos, Pointern und anderen Jagdhunden sollten Sie außerdem den Jagdtrieb nicht ausser Acht lassen – wenn Ihr Hund sein Futter bisher erjagen musste, können Sie nicht erwarten, dass er deutsche Kaninchen einfach links liegen lässt.

Bin ich bereit, alle Folgekosten zu tragen?
Dazu gehören nicht nur die Kosten für Chippen und Impfungen. Ihr Streuner ist vermutlich in seinem ganzen Leben noch nie tierärztlich untersucht worden. Es kann also durchaus sein, dass das Tier an einer oder mehreren Krankheiten leidet. Auch schlecht verheilte Verletzungen, bspw. falsch zugeheilte Brüche, müssen gegebenfalls medizinisch behandelt werden.

Bin ich über alle notwendigen Maßnahmen für die Einreise informiert und habe diese durchführen lassen?
Bei der Einreise nach Deutschland ist für Hunde und Katzen der Nachweis einer Tollwutimpfung Pflicht. Ausserdem muss das Tier über einen EU-Ausweis verfügen. Auch die Kennzeichnung durch einen Chip wird in Kürze europaweit zu Pflicht werden.

Habe ich das Tier bei meiner Fluggesellschaft angemeldet?
Die Mitnahme eines Tieres muss im Voraus bei der Fluggesellschaft angemeldet werden. Einige Fluggesellschaften verweigern die Mitnahme von Tieren im Frachtraum. Im Passagierraum dürfen nur Tiere bis 4 oder 5 Kilogramm mitgenommen werden. Für den Transport im Frachtraum brauchen Sie eine flugtaugliche Box, die so groß ist, dass das Tier bequem darin stehen und sich umdrehen kann.

Bin ich darauf vorbereitet, dass es trotz aller Vorkehrungen bei der Einfuhr Probleme geben kann?
Tiere, die gesundheitlich irgendwie auffällig erscheinen, können am Zielflughafen vom zuständigen Veterinärbeamten in Quarantäne gesetzt werden, obwohl sämtliche Papiere und Impfungen vorliegen.

Bin ich bereit, meinen Alltag in Deutschland auf meinen neuen Hausgenossen abzustimmen?
Was im Urlaub aus der Entfernung so einfach erscheint, kann sich im Alltag als problematisch herausstellen. Folgende Punkte scheinen selbstverständlich, trotzdem kann man sie nicht oft genug erwähnen:
- Hunde sollten täglich maximal 4 Stunden alleine bleiben, alles andere ist Tierquälerei
- Jeder Hund muss mehrmals täglich nach draussen
- 1 – 3 Stunden Gassi-Gehen (je nach Größe und/oder Laufbedürfnis) sind Pflicht
Ausserdem sollten Sie vielleicht darüber nachdenken, wie Ihre Umgebung reagiert, wenn Sie mit einem neuen Familienmitglied im Gepäck aus dem Urlaub zurückkommen.
Falls Sie bereits einen oder mehrere Hunde halten: Sind Sie bereit, dem neuen Rudelmitglied alle Aufmerksamkeit zu geben, die es braucht? Vermutlich fordert Ihr neuer Hausgenosse etwas mehr davon als sein deutscher Hundekollege.

Wenn Sie also Ihr Herz an einen Streuner verlieren, setzen Sie sich mit uns bzw. unserem Partnerverein OKAPI in Verbindung – wir beraten Sie gerne und helfen Ihnen, das Tier nach Deutschland zu bringen.

6. Was kann ich sonst tun?
Das einzige langfristige Mittel, streunenden Tieren zu helfen, sind Kastrationsaktionen. Die Tierhilfe Fuerteventura organisiert regelmäßig Kastrationsaktionen vor Ort und ist für jede Unterstützung dankbar.

Quelle: www.archenoah-kreta.de

 

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